Radioaktive Abfälle aus Erdgasförderung in Wustrower Bohrlöchern

Staudte stellt Anfrage an Landesregierung

Zusammen mit ihren Landtagskollegen Elke Twesten aus Rotenburg und Volker Bajus aus Osnabrück hat die regionale Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (alle Bündnis’90/Die Grünen) eine Anfrage zum Verbleib radioaktiver Abfälle, die bei der Erdgasförderung anfallen, gestellt. Radioaktive Stoffe, die tief im Untergrund vorkommen, sogenannte NORM-Stoffe (Normally occuring radioactive material), werden bei der Förderung von Erdgas und Erdöl an die Oberfläche befördert und setzen sich insbesondere an den Innenseiten der Förderrohre als radioaktive Verkrustungen ab. Dabei geht es um nicht unerhebliche Mengen: Laut Anfrage sind in den Jahren 2012 bis 2015 660 Tonnen an radioaktiv kontaminierten Schlämmen und 765 Tonnen an Verkrustungen angefallen, die entsorgt werden mussten. Für 2016 liegen dem Landesbergamt die Zahlen noch nicht vollständig vor, bislang sind es 130 Tonnen an Schlamm und 140 Tonnen an radioaktiven Verkrustungen. Die Radioaktivität wird bei den Schlämmen mit insgesamt 20.300 MegaBequerel angegeben, bei den Verkrustungen mit 11.750 MegaBequerel. Während einiges auf Deponien landet, wurden bis 2003 radioaktive Produktionsrückstände in alte Förderrohre eingeschweißt und in stillgelegten Bohrlöchern versenkt. So auch im Landkreis Lüchow-Dannenberg. In den Bohrstellen Z8, Z10 und Z16A in Wustrow sind entsprechende Abfälle versenkt worden.

Es ist eigentlich ein Unding, dass erst über solche Anfrage mühsam angefangen werden muss, Transparenz zu schaffen, was wo lagert. Die Bevölkerung hat ein Recht zu erfahren, wo radioaktives Material versenkt wurde, auch wenn es nicht aus Atomkraftwerken stammt. Auch für nachfolgende Generationen ist es wichtig, dass lückenlos dokumentiert ist, wo und in welchen Tiefen sich radioaktive Abfälle aus der Erdgasförderung befinden,” so Staudte. Während bei der Suche für Standorte für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll immerhin eine öffentliche Diskussion um Lagerformen und Standorte geführt wird, blieb der Verbleib dieser radioaktiven Abfälle bisher wenig beachtet. “Im konventionellen Bergbau und in der Erdgas- und Erdölförderung wird, was den Strahlenschutz angeht, weniger streng verfahren als beim Umgang mit anderem schwachradioaktiven Abfall. Statt um Grenzwerte geht es hier lediglich um Richtwerte, obwohl die Strahlung genauso schädlich ist. Im Zuge der Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht muss hier, was die rechtlichen Grundlagen angeht, nachgebessert werden. Die frühere, seit 2003 nicht mehr praktizierte Technik des Versenkens von mit radioaktivem Abfall gefüllten Rohrkapseln, wirft die Frage auf, wie lange diese unprofessionellen Behälter überhaupt halten. Falls quecksilber- oder salzhaltige Abfälle enthalten sind, könnten die Rohre noch schneller korrodieren, als eh zu erwarten ist.

Insgesamt lässt sich laut der Grünen-Politikerin als Konsequenz feststellen, dass radioaktive Stoffe gar nicht erst an die Oberfläche befördert werden sollten, sondern in der Erde und zwar in den sehr großen Tiefen, aus denen sie kommen, bleiben sollten. “Abgesehen von anderen Problematiken mit dem Lagerstättenwasser lässt sich auch in diesem Punkt festhalten, dass auch die konventionelle Erdgasförderung keine saubere Energiequelle ist. Bei dem Einsatz von Fracking-Chemikalien muss außerdem berücksichtigt werden, dass es zu verstärkenden Wechselwirkungen mit den radioaktiven Stoffen kommen kann. Sauber sind halt nur die Erneuerbaren.

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