Grüne fordern Risikobewertung von Hochfrequenz-Funk-Technik 5G

Der neue Mobilfunkstandard 5G kommt. Im Juni 2019 wurden für rund 6 Mrd. Euro Frequenzen bis 3,6 GHz versteigert. Seit Ende Juli kann man bei Telekom und Vodafone 5G-Zusatztarife buchen und in ersten Städten nutzen. Regierung, Mobilfunkbetreiber und Industrie sehen 5G als wichtige Basis für Anwendungen wie Autonomes Fahren und Deutschland insgesamt als Leitmarkt, die Bevölkerung profitiere von schnellerer Datenübertragung. Auch in Lüchow-Dannenberg gibt es erste Berichterstattungen (z.B. EJZ 24.11.2020) zu Inbetriebnahmen von 5G.

Aus technischer Sicht nutzt der 5G-Standard mehrere Frequenzbänder mit unterschiedlichen Eigenschaften. „Je höher die Frequenz, desto höher die Datenrate und desto kleiner die Reichweite“, erklärt Julia Zieker, Sprecherin der Wendlandgrünen. „Die jetzt „aktiven“ Frequenzbänder von 5G, die Telekom und Vodafone kürzlich in Betrieb nahmen, gleichen denen für LTE und WLAN. Ihre Auswirkungen und nötige Grenzwerte sind zwar bekannt, jedoch kann die bisherige Studienlage nicht alle Risiken restlos ausräumen.“

Anders sieht es mit dem nächsten geplanten 5G-Frequenzband bei 26 GHz aus: Derart hochfrequente Funkwellen werden von Hindernissen reflektiert oder absorbiert und in Wärme gewandelt, selbst das Blätterdach von Bäumen dämpft die Signale stark. Sender können nur kleine Gebiete abdecken, sie heißen daher oft „Small Cells“. Davon braucht es viele, wenn Straßen, Bahnlinien und Orte abgedeckt werden sollen. „Welche biologischen Auswirkungen (Erbgutveränderung, Krebsauslöser) bei welchen Feldstärken durch die vielen Small Cells entstehen, weiß nicht einmal das Bundesamt für Strahlenschutz“, sagt Andreas Kelm, Sprecher der grünen Kreistagsfraktion.

Laut dem Stromversorger E.ON wird der Energiebedarf durch 5G um 3,8 Milliarden Kilowattstunden steigen. Das ist genug Strom, um mehrere Großstädte ein Jahr zu versorgen. Inmitten der Klimakrise wird also eine neuartige Technologie mit ungeklärten biologischen Auswirkungen bei vermutlich steigendem Energiebedarf und unklarem Nutzen für die Zivilbevölkerung vorangetrieben.

Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen würde 5G nicht pauschal ablehnen. „Aber wir fordern eine unabhängige Hochfrequenz-Forschung, die Veröffentlichung der Ergebnisse und eine öffentliche Diskussion zu Risiken, Nutzen und Akzeptanz der Small Cells auf Faktenbasis. Bis diese vorliegen, sollen hochfrequente 5G-Sender im öffentlichen Raum weder aufgestellt noch betrieben werden dürfen“, führt Zieker aus und Kelm ergänzt: „Gemäß Artikel 191 des geltenden EU-Vertrages sind die Bürger:innen grundsätzlich vor Produkten zu schützen, deren Unbedenklichkeit noch nicht erwiesen ist. Daran wollen wir gerne nochmal erinnern!“

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