Grüne besuchen Beratungsstelle Violetta

Anschlussfinanzierung  für betroffene Jungen nicht gesichert

Seit über 25 Jahren können sich von sexueller Gewalt betroffene Frauen und Mädchen in der Beratungsstelle des Vereins Violetta Hilfe holen, seit zwei Jahren in den neuen Räumen nahe dem Ostbahnhof in Dannenberg. Die gute räumliche Situation mit zwei Eingängen bietet auch die Möglichkeit, das Angebot auszuweiten und auch von sexueller Gewalt betroffene Jungen zu beraten. Obwohl es hierfür eine befristete Projektförderung des Bundes gibt, bleibt die Zukunft für ein solches Angebot ungewiss.  Am Dienstag haben der Kreistagsabgeordnete Matthias Gallei und die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (beide Bündnis´90/Die Grünen) die Einrichtung besucht und sich von Beate Krauth die aktuellen Herausforderungen schildern lassen.  Anlass des Besuchs war die nicht gesicherte Anschlussfinanzierung für das Bundesprojekt „Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt“, an dem Violetta seit einem Jahr teilnimmt. Im Rahmen des Bundesprojekts baut Violetta ein Beratungs- und Präventionsangebot für Jungen auf. Doch das Land Niedersachsen lehnt eine Fortführung des auf drei Jahre begrenzten Projekts bislang kategorisch ab, denn die Beratungsstelle Violetta werde schon für ihre bisherige Arbeit mit 65.200 Euro vom Land gefördert. Die Landesförderrichtlinie zum Gewaltschutz, die für die Fortführung des Projekts „Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt“ geeignet wäre, setzt voraus, dass es keine andere Förderung von Seiten des Landes gibt.  „Die geltende Regelung gewährleistet den Ausschluss von Doppelförderungen. Unter Berücksichtigung begrenzt zur Verfügung stehender Haushaltsmittel ist diese Regelung sachgerecht“ heißt es von Seiten der Landesregierung auf eine aktuelle Anfrage der Abgeordneten Staudte.  „Bürokratischer Unsinn,“ meint die Landtagsabgeordnete.

„Menschen mit der traumatischen Erfahrung eines sexuellen Missbrauchs brauchen möglichst Hilfen aus einer Hand, egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene und das fachkompetent und wohnortnah. Violetta bietet mit seinen hellen und freundlichen Räumen mit separaten Zugängen und qualifiziertem Personal  dafür beste Voraussetzungen. Der gegenseitige Ausschluss von Förderrichtlinien für unterschiedliche Zielgruppen ist hier mehr schädlich als nützlich. Dieses Verfahren gehört auf den Prüfstand und muss die regionale Trägerlandschaft in den Blick nehmen,“ konstatiert Kreistagsabgeordneter Matthias Gallei. Seine Landtagskollegin Staudte hält den jetzigen Ansatz des Landes für ungeeignet: „Im ländlichen Raum gibt es nicht verschiedene Träger mit Fachpersonal, die für die Übernahme dieser Arbeit geeignet wären, es gibt in Lüchow-Dannenberg und umliegenden Landkreisen nur diese eine Anlaufstelle für von sexueller Gewalt Betroffene.“ Bislang müssen betroffene Jungen nach Hannover, Hamburg oder Wolfsburg verwiesen werden, gibt das Team von Violetta zu bedenken. „Alle Welt weiß, dass auch Jungen von sexueller Gewalt betroffen sind,  da ist es überfällig, dass es auch Hilfeangebote für sie vor Ort geben muss,“ meint Staudte. Auch Violetta-Mitarbeiterin Krauth verweist auf die allgemeine Betroffenheit in den Medien, wenn Missbrauchsskandale wie in Lügde (2008-2018) bekanntwerden. „Gerade die Prävention muss dringend ausgebaut werden und zwar dauerhaft, nicht nur, wenn alle bestürzt sind.“ Staudte will als nächsten Schritt das direkte Gespräch mit Sozialministerin Carola Reimann (SPD) suchen, um eine Änderung der Förderpraxis des Landes zu erreichen.     

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