Grüner Politischer Frühschoppen mit Landwirtschaftsminister Meyer

Verbraucher können eine Agrarwende herbeiführen

FotoFrühschoppen
Diskutierten auf dem Frühschoppen in Quickborn v.l.n.r: Andreas Kelm, Sprecher der Wendlandgrünen; Gisela Webs, Milchbäuerin aus Quickborn; Minister Meyer, Moni Tietke, Biobäuerin aus Trebel.

Lobende Worte fürs Wendland – mit seiner weit über dem Bundesdurchschnitt liegenden Quote an Biolandwirtschaft, seinem Ausbau an Windenergie, woran die Bauern großen Anteil hätten, und der Bereitschaft Fördermittel auch für Zwecke des Naturschutzes abzurufen –  das fand Landwirtschaftsminister Christian Meyer auf einem Grünen Politischen Frühschoppen unter dem Titel „Für eine grüne Agrarwende“ am Samstag in Quickborn.

Meyer ging auf die Fortschritte seiner Politik in Niedersachsen in Bezug auf Massentierhaltung, Schnäbel- und Schwänzekürzen bei Hühnern und Schweinen ein, wie auch die allmähliche Verdrängung der Käfighaltung bei Geflügel durch eine Verbesserung der Kennzeichnung von Eiern. „Das hat der Verbraucher registriert und sein Kaufverhalten verändert, und das zeigt Wirkung“, so Meyer, der entsprechende Kennzeichnung auch bei Fleisch und Wurst sowie anderen Lebensmitteln fordert.

Mit dem Sprecher Wendlandgrünen Andreas Kelm war sich Meyer einig, das der Weg zur Industrialisierung der Landwirtschaft sich inzwischen als Irrweg erweise. Auch der Orientierung der bäuerlicher Landwirtschaft auf den Weltmarkt, den die Bauernverbände landauf, landab empfehlen, erteilte er eine Absage. Zu welchen Verwerfungen das führe, zeige der Milchmarkt.

Die Milchbäuerin Gisela Webs aus Quickborn schilderte, wozu das führt. Die Urproduzenten von Milch erzielten nicht einmal mehr die Selbstkosten, die Molkereien ließen die bäuerlichen Lieferanten im Stich, und den Handel interessiere nur der eigene Gewinn, aber nicht die Lage der Milchproduzenten. So werde die bäuerliche Milchwirtschaft in den Ruin getrieben. Meyer zeigte Verständnis, wies aber daraufhin, dass die Krise zu gutem Teil hausgemacht sei, weil einfach zu viel Milch produziert werde. Das rein quantitative Wachsen haben sich hier als Fehlsteuerung erwiesen. Qualitatives Wachsen, ein Kernelement der von Grünen geforderten Agrarwende, sei die bessere Lösung. Und tatsächlich sind die Erzeuger von Biomilch von der derzeitigen Milchkrise nicht betroffen.

Die Biobäuerin Moni Tietke aus Trebel forderte mehr Orientierung auf regionale Märkte und dass die Bauern sich selber um die Vermarktung ihrer Produkte kümmern sollten. Auch sie sprach sich für Strukturreformen in der Landwirtschaft aus. „Aber nicht über die Köpfe der Bauern hinweg“, so ihre Mahnung in Richtung Politik.

In einer sehr lebhaft geführten Diskussion wurde eine Änderung der Förderung von Landwirtschaft durch die EU gefordert. Es könne nicht angehen, so war zu hören, dass die EU einseitig Agrarindustrie und Großbauern fördere. Es müsse auch etwas für die Familienbetriebe getan werden. Meyer sagte, hier sei langsam etwas in Bewegung, sowohl im Europäischen Parlament wie in der Kommission. Aber auch in Brüssel sowie auf Bundes- und Landesebene gebe es noch viel zu tun. Die Bauern müssten auch selber aktiv werden und dürften nicht alles ihren Verbänden überlassen.

Entscheidender Faktor sei das Verbraucherverhalten, so der Minister. Nur so könne sich bei der Produktion von Lebensmitteln etwas ändern. Auch solle man die Entwicklung des ländlichen Raums nicht vergessen. Die gesamte Milchproduktion im Wendland könne theoretisch von einem Riesenagrarbetrieb bewältigt werden. „Aber wer will das schon?“, so Meyer.

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